Die eine Sache, die dir nicht nur das Abendessen retten kann

In diesem Gastartikel verrät Dir Angelina Bockelbrink ihren Geheimtipp für ihre Gelassenheit. Er wirkt sogar noch mit drei hungrigen, müden Kindern.

Eine dieser Phasen

Gerade habe ich mal wieder eine dieser Phasen in meinem Leben als „working mom“ überstanden:

In den letzten Wochen war mein Mann ständig unterwegs und ich eine ganze Weile mit den Kinder allein. Das bedeutete, dass ich morgens drei Kinder aus dem Bett bekommen und pünktlich vor Schulbeginn fertig machen musste, damit wir alle zusammen den Großen in die Schule bringen konnten, bevor wir weiterfuhren in die Kita.

Nachmittags hieß es, alle Kinder abholen, den Bedürfnissen entsprechend etwas unternehmen oder nach Hause fahren, zwischendrin einkaufen, putzen, kochen, abspülen und Wäsche waschen.

Am Abend ging es dann ums gemeinsame Abendessen, waschen, Zähne putzen, Buch vorlesen, Gute-Nacht-Lied singen und ins Bett bringen. Natürlich war das alles noch eine wenig erschwert, weil die Kinder ihren Papa vermissten.

Und irgendwann zwischendrin wollte bzw. musste ich noch arbeiten, schreiben, netzwerken, kreativ sein und einfach Zeit für mich finden, vor allem da ich zeitgleich richtig viel für meinen Job zu tun hatte.

Das schlimmste Horrorszenario

Irgendwie lief das natürlich alles, vor allem weil absehbar war, dass es auch wieder anders werden würde. Dennoch sind solche Zeiten wie geschaffen für Stress und Ärger. Wer mehr als ein Kind hat, weiß wie fordernd manche Abende werden können, wenn die Familie nach einem langen Tag müde und hungrig nach Hause kommt und dann noch irgendeine Kleinigkeit schief läuft. Ein Albtraum!

Das schlimmste anzunehmende Szenario würde dann in etwa so ablaufen: die Kinder streiten sich, schreien und hauen und wollen auf keinen Fall Schuhe ausziehen, Hände waschen oder den Tisch decken. Ich rege mich daraufhin auf, dass die Kinder so übellaunig sind, und mach mir gleichzeitig selbst Vorwürfe, dass wir schon wieder zu spät nach Hause gekommen sind und ich nicht genug Essbares dabei hatte.

Dann könnte ich meine Laune noch weiter strapazieren, mit Gedanken an all die anderen Male zu denen es auch nicht gut geklappt hat und ich könnte mir ausmalen, wie fürchterlich der Rest vom Abend noch werden würde. Ich könnte wütend werden und schimpfen, am besten mit Konsequenzen drohen, für die ich mich dann später schämen kann. Das Ende vom Lied wäre dann wohl, dass an ein gemeinsames Abendessen in absehbarer Zeit eher nicht mehr zu denken wäre.

So ähnliche Situationen haben wir tatsächlich erlebt, wenn auch zum Glück nicht so häufig und eher in milderer Form. Inzwischen weiß ich genau, dass es unglaublich wichtig ist, dass ich ruhig und geduldig mit den Kindern bin, wenn ich so ein mittleres bis großes Drama vermeiden möchte.

Vorsätzlich achtsam und gelassen

Dieses Mal hatte ich eine Vorteil: ich war darauf gefasst, dass mir eine anstrengende Zeit bevorstehen würde und habe mich darauf vorbereitet. Natürlich ist die Planbarkeit mit drei kleinen Kindern sehr eingeschränkt, weshalb ich für mich den klaren Vorsatz gefasst hatte, dass ich ruhig und gelassen bleiben will, ganz egal was passiert.

Wenn also das Chaos auszubrechen droht, die Kleine nur schreit und alles falsch ist, was ich ihr anbiete, der Mittlere seinen Bruder haut und wüst beschimpft, weil dieser eine andere Vorstellung vom gemeinsamen Spiel hat, und der Große voller Verzweiflung in Tränen ausbricht, weil er sich ungerecht behandelt fühlt; wenn also alle schreien und weinen, ich mich eigentlich teilen müsste und doch nur das Abendessen fertig machen möchte; wenn alles blöd ist, ich es eh niemandem recht machen kann und am liebsten selbst nur meine Ruhe haben möchte, genau dann weiß ich, dass es an mir liegt, die Situation durch achtsames und bewusstes Handeln zum Guten zu wenden.

Nun bedeutet Achtsamkeit vor allem im Hier und Jetzt zu sein, was sich in dieser Situation erstmal nicht wie ein sinnvolles Vorgehen anhört, schließlich schreien und plärren die Kinder ja genau hier und auch genau jetzt und davon will ich sicherlich nicht mehr haben und will mich auch nicht in irgendeiner Weise damit verbinden.

Das, was ist

Und dennoch gibt es Sinn, denn Achtsamkeit bedeutet auch, nicht zu bewerten, sondern anzuerkennen, was im Moment gerade ist.

Und das „was ist“ ist reichlich unspektakulär:

Es handelt sich um drei müde, hungrige Kinder, die ihrem Frust und ihrer Überforderung lautstark Ausdruck verleihen; drei Kinder, die in diesem Moment traurig und wütend sind; drei Kinder, die sich nicht verstanden fühlen.

Abendessen gerettet

Wenn ich das so klar sehen und verstehen kann, gibt es für mich überhaupt keinen Grund mehr wütend zu werden, sondern es ist völlig klar, was ich zu tun habe: Kinder trösten, der jeweiligen Sichtweise auf das Problem Aufmerksamkeit schenken und sie dann machen lassen, was ihnen wichtig ist oder sie vielleicht in den Vorgang des Essenmachens einbinden.

Ein paar Minuten später steht dann das Essen auf dem Tisch, jedes Kind hat sich die ersten Bissen einverleibt und die Laune hebt sich von ganz allein. Mit etwas Glück schaffen wir es dann auch noch halbwegs rechtzeitig ins Bett, so dass dem neuen, gelungenen Tag nichts im Wege steht.

Ich habe die Wahl – genau jetzt und zwar immer!

Es gelingt mir zwar nicht immer, eigentlich ist es aber gar nicht viel, was ich machen muss, um den Abend oder den Tag zu retten. Tatsächlich geht es nur darum, die Situation bewusst und ohne Wertung wahrzunehmen. Die andere und neue Wahrnehmung ermöglichst eine Neubewertung der Situation, was wiederum den Raum schafft für eine andere Reaktion als die gewohnte.

Ich kann niemanden verändern, nicht meine Kinder und nicht meinen Partner, und ich schaffe es auch nicht jede stressige Situation zu vermeiden. Ich selbst habe für mich aber immer wieder die Wahl, wie ich etwas tun möchte.

Ich kann mich in jeder Situation und immer wieder entscheiden, nicht wütend zu werden, niemanden anzuschreien, tief durchzuatmen und Geduld zu haben. Auch wenn es beim letzten Mal nicht geklappt hat oder ich schon in dieser Situation gereizt reagiert habe, ich habe dennoch die Möglichkeit mich genau jetzt dazu zu entscheiden etwas anderes zu tun, anders zu reagieren und anders zu sein.

Diese eine Erkenntnis kann auch dein Leben und deinen Alltag stark vereinfachen. Es ist zwar erforderlich, dass du die Verantwortung für deine Gefühle und dein Handeln übernimmst, aber du musst keinesfalls perfekt oder fehlerfrei sein.

Du kannst immer wieder frei und aufs Neue entscheiden, wie du auf eine Situation reagieren willst, unabhängig davon, was in der Vergangenheit war und wie du die letzten Male reagiert hast.

Fazit

Du bist stressigen Situationen im Familienalltag nicht hilflos ausgeliefert.

Durch achtsame Wahrnehmung dessen, was ist, kannst du jede Situation neu bewerten und so eine andere Reaktion und eine anderen Verlauf ermöglichen. Und das schöne ist: dadurch, dass du dich veränderst, verändert sich dein Umfeld ebenfalls.

Also, vertraue auf deine Macht etwas zu bewirken, und wenn es nicht beim ersten Mal klappt, dann eben beim zweiten.

Angelina Bockelbrink – Entschleunigungscoach für Mütter

Angelina unterstützt Mütter dabei, mehr Zeit und Kraft für sich zu schöpfen und den Spagat zwischen Beruf und Familie zu beenden. Sie zeigt ihren Blog-Leserinnen und Kundinnen den Weg in ein selbstbestimmtes Leben als Powermama.

Angelina ist promovierte Medizinerin, Dozentin, Entspannungstrainerin, zertifizierter Coach und Mutter von drei kleinen Kindern (Nov. 2008, März 2011, Aug. 2013). Über ihre größten Stärken als Frau und Mutter sagt sie:

Meine größte Stärke ist das Vergessen bzw. meine ausgeprägte Selbstwirksamkeitserwartung. Ich beginne jeden Tag immer wieder so, als hätte es kein gestern gegeben. Egal was schon schief gelaufen ist, gehe ich immer wieder davon aus, dass meine Bemühungen erfolgreich sein werden und Früchte tragen. Und wenn nicht heute, dann eben morgen…“

Wenn Du mehr über Angelina und ihre Arbeit erfahren willst, dann schau hier rein: angelina-bockelbrink.de

Sie gibt dort eine Menge Anregungen, wie jede Mutter selbst die Grundlage für ihr eigen-Sinniges Leben schaffen kann.

Lebe eigen-Sinnig!

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PS: Hast Du selbst Erfahrungen mit Achtsamkeit in chaotischen Situationen mit Deinen Kindern? Oder hast Du Fragen an Angelina? Dann hinterlasse einen Kommentar unter dem Artikel.

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