Wie Dir Konflikte helfen können, glücklicher zu leben

Die Redakteurin und Tipi-Ausbilderin Dunja Herrmann zeigt Dir in diesem Gastartikel, wie Du alltägliche Konfliktsituationen nutzen kannst, um dauerhaft leichter und glücklicher zu leben.

Mutter mit Gedächtnisverlust?

Das Zähneputzen muss bei uns zu Hause ein leidiges Thema gewesen sein. So erzählen es zumindest meine Freundinnen, mit denen ich einmal im Monat zu einer Fortbildung in einfühlsamer Kommunikation gefahren bin. Ich kann mich an den Ärger mit dem Zähneputzen bei meiner Tochter jedenfalls nicht mehr erinnern. Es ist wie ausgelöscht. Ob ich unter akutem Gedächtnisverlust leide oder ob etwas anderes dahinter steckt, verrate ich Dir am Ende des Artikels.

Wenn Dein Kind anders will als du

Einem Kleinkind die Zähne zu putzen, dass sich verweigert oder mit Händen und Füßen wehrt: Das kann im wahrsten Sinne des Wortes zum Gewaltakt werden. Kennst du solche Szenen? Hast du sie schon erlebt? Eine Freundin sagte einmal zu mir: „Die Arme gut festhalten, einzwängen und einfach mit der Bürste losschrubben.“ Damals hatte meine Tochter noch keine Zähne im Mund, und mir graute vor dieser Zukunftsvision.

Das Zähneputzen ist nur eine von zahlreichen Situationen im Alltag mit Kindern, bei denen die Werte von uns Müttern und die Bedürfnisse unserer Kinder hart aufeinanderprallen können. Sicher fallen dir spontan solche Situationen ein, etwa

  • Haare waschen, trocknen oder bürsten
  • Gesicht waschen
  • Baden, Körperpflege allgemein
  • mit Sonnencreme einreiben
  • bestimmte Sachen anziehen
  • eine volle Windel wechseln
  • usw.

Mir geht es um Dinge, die aus Sicht von uns Müttern getan werden müssen. Von denen unsere Kinder aber wenig begeistert sind und gegen die sie sich mitunter vehement wehren.

Wenn du mehr als ein Kind hast, potenziert sich dieser Stress je nach Altersunterschied, und du weißt bald nicht mehr, wo dir der Kopf steht. Ich erinnere mich gut daran, dass ich meiner Tochter einmal mit der Haarbürste über Tische und Stühle hinterher gesprungen bin, nur um ihr endlich die Haare machen zu können. Überschäumend vor Wut stellte ich fest: Das geht gar nicht! Solche Aktionen dienen weder mir noch meinem Kind.

Dein Kind tobt – und was ist mit dir?

Wir schauen einmal genauer hin, was passiert, wenn dein Kind nicht so will wie du als Mutter. Im folgenden schreibe ich einige mögliche Reaktionen auf, von denen manche vielleicht auf dich passen, andere wiederum nicht:

  • Du wirst wütend. Brüllst dein Kind an. Bist kurz vorm Explodieren. Bevor du handgreiflich wirst, lässt du dein Kind lieber stehen. Wutschnaubend stellst du fest, dass dein Nachwuchs gerade mehr Macht über dich hat als du selbst.
  • Du wirst wütend. Du willst einfach nur noch dein Ding durchziehen. Du denkst: „Eine Mutter muss sich durchsetzen können!“. Deinen Gedanken folgen Taten. Du packst fest zu und machst, was sich gehört.
  • Du scheinst gelassen. Sitzt da und wartest eine gefühlte Ewigkeit, was passiert. Vielleicht überlegt sich dein Kind, gleich das zu tun, was du von ihm verlangst? In Wirklichkeit bist du ohnmächtig und hast absolut keine Idee, was du jetzt tun kannst, um die Situation nicht immer und immer wieder erleben zu müssen. Irgendwann schlägt deine Ohnmacht um in Wut.
  • Du bist traurig. Irgendwas musst du wohl in der Erziehung falsch gemacht haben. Was ist bloß los mit dir, dass du das nicht schaffst? Du fühlst dich unfähig, schuldig und elend.
  • Du bist unsicher. Willst alles richtig machen. Versuchst dich durchzusetzen. Beim kleinsten Widerstand gibst du wieder nach. Startest dann erneut einen Versuch. Fühlst dich hilflos. Was ist nur richtig in dieser Situation?

Die Lösung

Ganz ehrlich: Was richtig ist in dieser Situation, das weiß ich auch nicht! Und ich bin genau an diesem Punkt hängengeblieben, als ich den Gastartikel schrieb. Ich dachte, ich müsste dir und allen Leserinnen eine fertige Lösung an die Hand geben, wie wir als Eltern mit solchen Herausforderungen umgehen können.

Es gibt nicht diese eine Lösung!

Es gibt nur eine Lösung, die für dich persönlich gut und richtig ist.

Menschen wie Silvia und andere Frauen, die sich um eine wertschätzende, einfühlsame Kommunikation bemühen, können dir eine Idee davon geben, welche Lösungswege es gibt. Darin suchst du für dich das Passende aus.

Nun könnte mein Beitrag hier enden. Ich habe viel erzählt, mich auf keine Lösung festgelegt – und du würdest dich fragen: Warum schreibt sie das alles?

Keine Lösung – ein Geschenk!

Ich habe etwas besseres für Dich, als eine vorgefertigte Lösung: ein Geschenk. Etwas, das dir hilft die für dich richtige Lösung zu finden, indem du dir selbst ein Stück näher kommst.

Vom Baby zur Zwiebel

Stell dir vor, du wirst als ganz normaler Mensch geboren. Ein paar dünne Hautschichten trägst du schon an deinem Körper. Das passt. Je älter du wirst, desto dicker werden diese Schichten und mit der Zeit kommen neue dazu. Der Sturz vom Fahrrad mit 4 Jahren liefert dir eine neue Schicht. Die Angst bei Schularbeiten zu versagen legt sich wie eine dicke, feste Schicht um dich und schnürt dich mit den Jahren immer fester ein. Der erste Liebeskummer, der Tod der Großmutter, der Brand in eurem Haus und auch Dinge, die gar keinen bestimmten Auslöser haben: Sie alle bilden Schichten.

Inzwischen bist du erwachsen und lebst mit all dem, was um dich herum ist. Du siehst aus wie eine fette Zwiebel mit Kopf und Beinen. Da du dich nicht anders kennst und gelernt hast mit deinen Schichten umzugehen, ist das für dich völlig normal. Du gehst tanzen, Rad fahren, Halbmarathon laufen und führst ein ganz normales Leben. Immer mal wieder nervt dich die eine oder andere Schicht, weil sie dir als lästig erscheint. Manchmal, wenn dein Partner an dir herumgemeckert oder dein Chef dich beleidigt hat, hast du schon versucht eine abzureißen. Ohne Erfolg.

Der Zwiebelmensch im Konflikt mit seinem Kind

Zurück zum schreienden Kind: Wenn dein Kind anders will als du, und du reagierst darauf mit Unbehagen oder Ungeduld: Dann meldet sich genau eine dieser Schichten eines Zwiebelmenschen. Wir sind alle Zwiebelmenschen. Die einen haben wenige Schichten, die anderen viele.

Eine Schicht ist nichts anderes als eine emotionales Muster, das sich so lange wiederholt, bis wir es durchschauen und gehen lassen. Jene Aggression, jener Machtmissbrauch, jene Ohmacht, jene Traurigkeit, jene Unsicherheit, die ich oben aufgeführt habe, ist eine unangenehme Emotion. Sie begegnet uns nicht nur im Zusammenleben mit unseren Kindern. Doch sie wird hier besonders deutlich spürbar, weil wir ein Gegenüber haben, das uns sehr genau die eigenen Grenzen aufzeigt.

Zwiebeln schälen leicht gemacht

Nun stehe ich eines Tages vor dir und zeige dir, wie du deine Schichten gezielt abstreifen kannst. Dabei ist es völlig egal, ob es die oberste ist oder eine von unten. Plötzlich fühlt es sich ganz anders an zu tanzen! Du bekommst Luft beim Halbmarathon und versuchst es auf die volle Distanz. Klappt! Du bist mit einem Mal freier Dinge zu tun, an die du vorher nie gedacht hättest. Weil du der Meinung warst, dass man mit so vielen Schichten bestimmte Sachen nicht machen kann.

Und irgendwann ist da keine Zwiebel mehr: Dann stehst nur du da – mit allem, was du bist und was dich ausmacht. Du fühlst dich frei, wendig und lebendig. So lebt es sich wunderbar. Die alten Schichten vermisst du nicht. Sie sind einfach verschwunden…

Ich lade dich heute ein, deine Schichten abzutragen. In deinem Tempo.

Und so geht es

Alles, was du dazu brauchst, hast du bei dir. Du kannst jederzeit an jedem Ort damit beginnen. Eine Schicht ist schneller verschwunden, als du dir das jetzt vorstellen kannst. Sie kommt nicht wieder zurück und du wirst sie garantiert nicht vermissen.

Dein Gewinn

Du wirst klarer für dich selbst und für deinen Weg mit deinen Kindern. Lösungen werden zu DEINEN Lösungen. Du bist voll in deiner Kraft. Du bist handlungsfähig. Du wirst selbstbewusster. Du strahlst eine natürliche Autorität aus. Das werden deine Kinder spüren und dir auch spiegeln!

So wirfst du deine emotionalen Schichten ab

  1. Nutze den Moment, in dem du wütend, ohnmächtig, traurig oder unsicher bist. Entferne dich, wenn möglich, von deinem Kind. Geh in ein anderes Zimmer. Vielleicht kann dein Partner den Rest übernehmen, ihr könnt das vorher gemeinsam besprechen.
  2. Wenn du dich isoliert hast, lehne dich irgendwo an oder setze dich auf einen Stuhl.
  3. Schließe deine Augen.
  4. Frage dich: Was passiert gerade in meinem Körper?
  5. Beobachte einfach nur, was dort abläuft. Sei vollkommen passiv. Lass alles geschehen.
  6. Irgendwann beruhigt sich alles von selbst. Das ist oft schon nach einigen Sekunden der Fall.
  7. Du öffnest wieder die Augen und denkst an die Situation mit deinem Kind, die dich so aus der Balance gebracht hat.
  8. Alles gut? Dann gehst du wieder zu deinen Liebsten. Wenn noch irgendetwas unangenehm ist, starte noch mal bei Schritt 3. Danach dürfte es gut sein.

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Damit wir uns nicht falsch verstehen: Dies ist keine Entspannungstechnik! Du kannst sie als solche nutzen. Denn in dem Moment, in dem du deine Aufmerksamkeit auf den Körper richtest, verschwindet deine Wut oder Traurigkeit. Doch diese Schritte sind eigentlich dazu da, eine Schicht für immer fallen zu lassen.

Fazit

Erinnerst du dich an meinen Einstieg? Meine Freundinnen wissen noch, dass ich ziemliche Probleme beim Zähneputzen meiner Tochter hatte. Ich habe das längst vergessen. Es ist so, als sei das bei uns nie ein Thema gewesen. Und das obwohl ich nie die ultimative Lösung dafür gefunden habe.

Ich bin durch die Schritte der sogenannten Tipi-Technik gegangen und habe so erfolgreich eine Schicht meiner Zwiebelhaut abgestreift. So konnte sich die für uns passende Lösung entwickeln.

Hast du ein Thema mit deinem Kind oder deinen Kindern und möchtest wissen, ob dir diese Schritte helfen können? Dann berichte uns in den Kommentaren davon!

Dunja Herrmann – Mutige Zwiebelschälerin

Dunja ist Mutter einer 9-jährigen Tochter und arbeitet als Redakteurin und Tipi-Coach und Ausbilderin. Über ihre größten Stärken als Frau und Mutter sagt sie: „Ich bin authentisch, gebe Fehler offen zu, bin immer zu einem Gespräch bereit, gebe nie auf, bin vielseitig begabt und mutig genug, meinen Ideen nachzugehen. Ich bin eine Macherin, die sofort loslegen kann, wenn sie sich für etwas begeistert. Meine Ziele setze ich um, es sei denn sie verändern sich auf dem Weg dorthin …“

Auf ihrer Seite www.dunja-herrmann.de kannst Du Dir die Schritte der Tipi-Technik kostenlos und noch ausführlicher anfordern. Es ist eine Technik ganz nach meinem Geschmack – einfach und leicht im Alltag anzuwenden. Und Dunjas freundliche, frische Art es zu vermitteln, macht einfach Spaß.

Mach es Dir leicht und lebe eigen-Sinnig!

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