Wie eine Mutter es schaffte mit ihren streitenden Kindern klar zu kommen – Teil 2 der Artikelserie

Erinnerst Du Dich an Sonja? Die Sonja, deren Kinder sich sogar um das Öffnen der Zahnpastatube streiten?

Sonja hat es bereits geschafft ihre Einstellung zu den Streitereien ihrer Kinder zu ändern. Schon allein dadurch kann sie die Konflikte jetzt leichter ertragen. Du kannst im ersten Teil dieser Serie davon lesen.

Nun will Sonja herausfinden, wie sie die Konflikte ihrer Kinder möglichst sinnvoll begleiten kann.

Anders als bisher

Eines ist Sonja gleich klar: Ihre bisherige Strategie des „aufgescheuchten Huhnes“ war für niemanden ein Gewinn – nicht für ihre Kindern und besonders nicht für sie:

Sobald sie Gezanke ihrer Kinder wahrnahm, atmete sie einmal tief durch (das hat sie mal gelesen – leider stand nicht dabei, dass es mit zusammengebissenen Zähnen nicht wirkt) und begab sich dann an den Ort des Geschehens. Mit einem schnellen Blick erfasste sie, um was es ging. Je nachdem was ihr gerade am wichtigsten erschien, behandelte sie Verletzte, tröstete Verzweifelte, diskutierte Lösungen oder befahl dieses oder jenes zu lassen. Was auch immer sie tat, es fühlte sich an wie ein Kampf gegen den Konflikt. Es war anstrengend und am Schluss blieb bei allen ein Rest Ärger zurück.

Eine nahe liegende Alternative zum „aufgescheuchten Huhn“ war für Sonja „das ruhende Lamm“. 😉 Sie hatte bei ihren Recherchen gelesen, dass Kinder oft besser alleine mit ihren Konflikten klar kommen, als wir Erwachsenen denken.

Sie gönnt sich eine Pause.

Wenn Sonja jetzt bemerkt, dass ihre Kinder streiten, hält sie inne. Sie beobachtet, was sie selbst gerade tut und in welcher Stimmung sie ist. Sie schließt die Augen und lässt bewusst alle Muskeln locker. Sie achtet einige Atemzüge lang auf ihren Atem. Manchmal setzt sie sich sogar hin und gönnt sich eine Tasse Kaffee. Dabei lauscht sie, ob eines ihrer Kinder ihre Hilfe braucht.

Häufig beruhigt sich der Streit jetzt schneller als früher. Durch ihre Einmischung hatte Sonja noch mehr aggressive Energie in den Konflikt ihrer Kinder gebracht. Das tut sie jetzt nicht mehr. In den meisten Fällen hält sie sich einfach raus und achtet darauf, dass es ihr selbst gut geht.

Manchmal entwickelt sich der Streit so, dass eines der Kinder Hilfe braucht oder die Wohnungseinrichtung in Gefahr ist. Dann bleibt Sonja natürlich nicht einfach sitzen. Dennoch will sie dabei bleiben, möglichst wenig von sich in den Streit mit einzubringen.

Sie greift schützend und besänftigend ein.

Sie schützt zunächst möglichst sanft, was zu schützen ist. Zum Beispiel löst sie Simons Hand aus den den Haaren seiner Schwester.

Dann gibt sie wieder, was sie wahrnimmt:

„Ihr scheint beide sehr aufgebracht zu sein.“
„Anna, ich habe den Eindruck, Du ärgerst Dich ganz schön.“
„Simon, Du scheinst gerade keinen anderen Ausweg mehr gesehen zu haben, als Anna an den Haaren zu ziehen.“
oder
„Ihr wirkt beide sehr wütend.“

Oft lässt ein solcher Satz ihre Kinder einen Moment inne halten. Dann richten sie ihre Aufmerksamkeit darauf, ihrer Mutter zu erklären, wer schuld ist.

Sonja behält dann all das, was in ihr rumort, für sich. Wie soll es ihren Kindern auch helfen, von IHRER Empörung über ein kaputtes Spielzeug zu erfahren? Was tut es zur Sache, dass SIE es gemein findet, wenn Anna ihre körperliche Überlegenheit nutzt? Und die Kinder finden es in dem Moment eben nicht so lächerlich wie SIE, sich über das Öffnen der Zahnpastatube zu streiten.

So hört Sonja einfach eine Weile hin.

Manchmal gibt sie die Verantwortung zurück an ihre Kinder: „Ich bin sicher, ihr könnt dafür eine Lösung finden.“ Dann geht sie und trinkt ihren Kaffee aus. 😉

Manchmal erscheint ihr der Konflikt zu groß, als dass ihre Kinder damit alleine lassen will.

Sie begleitet ihre Kinder beim Klären ihrer Bedürfnisse.

Dann fragt sie: „Wollt ihr meine Hilfe beim Finden einer Lösung?“

Wenn beide Kinder ihre Hilfe wollen, stellt sie Fragen. Die Antworten ihrer Kinder gibt sie möglichst neutral wieder.

Beispiel:

„Anna, Du bist ja richtig wütend. Was ist passiert?“ Während sie Annas verzweifeltem Bericht lauscht, nimmt sie Simon – der vorher Einiges abbekommen hat – tröstend und schützend in den Arm.

Als Anna zwischen ihren Anschuldigungen Luft holt, sagt Sonja: „Du hast also gesehen, wie Simon Deine Zeitschrift zerschnitten hat.“ Daraufhin schreit Anna: „Nein hab ich nicht, aber das kann ja nur dieser Blödmann gewesen sein.“

Da schaltet sich nun auch Simon ein: „Das geschieht Dir recht! Du hast mit Absicht meine CD zerkratzt.“ – „Hab ich gar nicht, die war schon so. Ich hab sie ja nicht mal angehört.“

Sonja unterbricht die beiden: „Moment. Ich will das verstehen: Simon, Du hast Anna eine CD geliehen. Als Du sie zurückbekommen hast, hast Du Kratzer darauf bemerkt.“ Simon: „Ja, und dann habe ich eben Sonjas Heft zerschnitten, aber deswegen darf sie mich trotzdem nicht zwicken.“ – „Aha. Jetzt habe ich verstanden. Simon, die CD hat Kratzer und Du vermutest, dass Anna die reingemacht hat. Dann hast Du Sonjas Heft zerschnitten.“

Sonja wendet sich wieder an beide Kinder: „Anna, Dein Heft ist zerschnitten. Simon, Deine CD hat Kratzer und Du hast ein paar blaue Flecken an den Armen. Was braucht ihr denn jetzt, damit ihr wieder zufrieden seid?“ Je nach weiterem Verlauf zieht Sonja sich jetzt wieder zurück: „Meint ihr, ihr könnt das ohne mich klären?“

Es mag sein, dass sich Sonjas Art mit ihren Kindern zu sprechen, für Dich ungewohnt anhört. Das geht vielen so. Unsere Kommunikation ist leider viel mehr darauf ausgerichtet, uns selbst verständlich zu machen, als den anderen zu verstehen.

Probiere es aus! Ich kann aus eigener Erfahrung und der vieler Mütter sagen: Es wirkt!

Hinter dieser Art zu sprechen steht übrigens die Grundhaltung der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg.

Für das Begleiten Deiner Kinder in Konfliktsituationen ist Folgendes am Wichtigsten: Behalte Deine Bewertungen der Situation für Dich.

Ist Dir immer klar, was Wahrnehmung ist und was Deine Interpretation?

Wenn Du noch mehr über die GFK wissen willst, dann empfehle ich Dir auch die anderen Präsentationen von Klaus Karstädt auf Youtube.

Fazit

Sonja lässt sich nicht mehr in die Konflikte ihrer Kinder hineinziehen.  Bei einem Streit ihrer Kinder wählt sie eine dieser Vorgehensweisen.

1. Sie achtet nur darauf, was sie braucht, um den Streit gut ertragen zu können. Und sie hält sich völlig raus.

oder

2. Sie greift schützend ein und schafft mit einem Satz eine Atempause. Dann hört sie einfach nur hin, was ihre Kinder zu sagen haben. Sie gibt dann die Verantwortung an ihre Kinder zurück und geht. Das kann sich dann zum Beispiel so anhören: „Oh je, ihr scheint beide richtig wütend zu sein.“ Hinhören. „Ich bin sicher, ihr werdet eine Lösung finden, bei der ihr und Euer Zimmer heil bleiben.“

oder

3. Sie begleitet ihre Kinder bei der Lösung des Konfliktes indem sie Fragen stellt, die Antworten in ihren Worten wiedergibt und ihre eigenen Beobachtungen wertfrei ausdrückt.

Mit diesem Plan spart sich Sonja eine Menge Energie. Für Sonja fühlt es sich an, als seien die Streitereien weniger geworden. Dabei macht sie die Streitereien nur nicht mehr zu ihrem Problem. Die Kinder klären in den meisten Fällen die Konflikte leicht selbst.

Dennoch wünscht sich Sonja eine noch friedlichere Atmosphäre in ihrer Familie. Wie sie das allein durch ihre Sprache schafft, erfährst Du in Teil 3 dieser Serie.

Ich wünsche Dir viel Ruhe und Gelassenheit für Dein Familienleben.

Deine Silvia

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