Wie eine Mutter es schaffte mit ihren streitenden Kindern klar zu kommen – Teil 3 der Artikelserie

In den ersten beiden Teilen dieser Serie hast Du Sonja und ihre beiden – meist streitenden – Kinder kennen gelernt. Du konntest mitverfolgen, wie Sonja ihre Einstellung zu den regelmäßigen Konflikten änderte. Außerdem hast Du einen Einblick bekommen, wie Sonja jetzt mit den Konflikten umgeht – was sie tut, sagt und vor allen Dingen nicht sagt.

In diesem letzten Teil der Serie berichte ich Dir, wie Sonja durch einen bewussten Umgang mit bestimmten Worten, die Grundstimmung in ihrer Familie wohltuend verändert hat.

Worte wirken

Sonja war klar, dass die Konflikte ihrer Kinder dazu gehören und ein wichtiges Lernfeld sind. Und doch bemerkte sie immer wieder, dass die Häufigkeit der Konflikte zunahm, wenn sie selbst in aggressiver Stimmung war. Diese Erfahrung hast Du vielleicht auch schon gemacht: Die Grundstimmung in der Familie beeinflusst, wie häufig und heftig Konflikte ausgetragen werden.

In einem meiner Grundlagenseminare erfuhr Sonja von alltäglichen Wörtern, die auf der unbewussten Ebene Aggressionen schüren. Sie war schockiert von der Erkenntnis, wie gewalttätig Alltagssprache sein kann. Vielleicht wird es Dir gleich ähnlich gehen. Doch sei beruhigt: Ich werde Dir natürlich auch zeigen, wie Sonja dieses neue Bewusstsein nutzt, und welch enormen Gewinn sie und ihre Familie davon haben.

Anregungen und Ideen

Wenn ihre Kinder sich schlagen, fällt es Sonja besonders schwer, ruhig zu bleiben. Manchmal fragt sie sich dann, woher die Kinder das haben. Sie als Eltern haben doch noch nie körperliche Gewalt eingesetzt.

Als Sonja ihren alltäglichen Sprachgebrauch aufmerksam betrachtete, entdeckte sie Schläge ganz anderer Art: Sie bat um Ratschläge, machte Vorschläge und den Garten hatte sie kürzlich in einem Rundumschlag in Ordnung gebracht. Es haute sie schier um, als ihr schlagartig bewusst wurde, wie sie sprachlich um sich schlug.

Sonja fand für alle Wörter mit „schlagen“ und „hauen“ wohltuende Alternativen:

„Darf ich Dir in dieser Angelegenheit eine Anregung geben?“
(statt „Darf ich Dir einen Ratschlag geben?“)

„Ich werde Dir meine Idee für unseren Familienausflug sagen.“
(statt „Ich werde einen Vorschlag machen.“

„Ich habe im gesamten Garten an nur einem einzigen Tag Ordnung geschaffen.“
(statt „Rundumschlag im Garten“)

„Es berührt mich schmerzlich, mir meinen Wortschatz bewusst zu machen.“
(statt „Es wird mir schlagartig klar,…“)

Vielleicht denkst Du Dir jetzt: „Na, so groß ist der Unterschied doch gar nicht. Jeder weiß doch, was ich meine, wenn ich ihm einen Ratschlag gebe.“ Bitte nimm die Wirkung in diesem Video selbst wahr. Halte das Video am besten zwischen den einzelnen Beispielen an, und sieh Dir die Sequenzen ruhig auch zweimal an.

Was macht es mit Deiner Bereitschaft zu Schlagen, wenn Du solche „Schlagworte“ mehrmals täglich hörst?

Arbeite konzentriert!

Als nächstes wurde Sonja klar, dass auch die Wörter „Kampf“ und „kämpfen“ zu ihrem täglichen Sprachgebrauch gehörten. Wenn Sonja z.B. ausdrücken wollte, dass sie „konzentriert an etwas arbeitet“ sagte sie oft „Ich kämpfe gerade mit dieser Aufgabe.“

Sieh Dir auch hierzu einige Beispiele aus dem Alltag mit Kindern an. Nimm die unterschiedliche Wirkung wahr.

Wie wirke ich als Mutter auf Dich, wenn ich diese unterschiedlichen Formulierungen verwende?

Das schaffst Du!

Etwas weniger offensichtlich war für Sonja im ersten Moment die Wirkung des Wortes „kriegen“. Erst im direkten Vergleich zwischen

„Das kriegst Du hin!“ und

„Das schaffst Du!“

merkte sie, dass kriegen etwas mit Krieg zu tun hat. Der Krieg und das Tunwort „kriegen“ sind in ihrer Herkunft auch tatsächlich verwandt. „Etwas hinkriegen“ bedeutet also „etwas erringen, erkämpfen“ und hat eine ganz andere Qualität, als etwas zu schaffen.

Ähnlich ausgeprägt ist der Unterschied zwischen „kriegen“ und „bekommen“.

Ich habe wieder einige Beispiele auf Video aufgenommen:

Kommt die wohltuende Wirkung von „schaffen“ oder „bekommen“ im Vergleich zu „kriegen“ bei Dir an?

Gib Frieden!

Neben „Ratschlägen“, „kriegen“ und „Kampf“ gibt es viele weitere Redewendungen und Formulierungen, die wörtlich genommen das schiere Grauen beschreiben. Teilweise haben sie ihren Ursprung im zweiten Weltkrieg.

Hast Du Dir schon mal überlegt, was ein Bombenwetter ist? Zwischen der ursprünglichen Bedeutung und dem, was wir heute damit sagen wollen – „Herrliches Wetter“ – liegen Welten.

Ist Dir klar, was jemand transportiert, der erzählt, dass er etwas „bis zur Vergasung“ tut? Dabei will er ja nur seine Begeisterung ausdrücken.

Wie ist es, in einem Gespräch abgewürgt zu werden?

Ist es nicht schöner ländlich zu wohnen, als „ab vom Schuss“?

Es gibt noch unzählige weitere solcher Wörter und Redewendungen. Die meisten Menschen verwenden sie, ohne je daran gedacht zu haben, was sie bedeuten. Lass uns unseren Kindern eine friedvollere Sprache zeigen. Sonja tut es und hat damit die Atmosphäre in ihrer Familie friedlicher gemacht. Sie gibt mit ihrer Sprache Frieden.

Wie Sonja vorging

Das gelang Sonja natürlich nicht von heute auf morgen. Schließlich hatte sie ihre sprachlichen Gewohnheiten über Jahre hinweg verfestigt. Sonja lies sich auf die Herausforderung ein. Den ersten Schritt hatte sie im Seminar bereits getan:

Wissen

Sonja wusste nun um die Wirkung der Gewaltwörter in unserer Sprache und kannte Alternativen dazu. Sie hatte auch schon eine Idee, welche der Wörter sie zuerst wandeln wollte.

Wahrnehmen

Im nächsten Schritt richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf ihren täglichen Sprachgebrauch. Die Erfahrungen im Seminar waren so eindrücklich gewesen, dass es ihr leicht fiel, die Wörter in ihrem Alltag zu entdecken. Einige davon konnte sie schon weglassen, bevor sie sie noch ein weiteres mal ausgesprochen hatte. Zum Beispiel würde sie niemals mehr erzählen, ihre Kinder täten etwas „bis zur Vergasung.“

Worte wie „Ratschlag“ und „Vorschlag“ dagegen, rutschten ihr noch oft heraus. Sie war jedes Mal stolz, wenn sie es bemerkte.

Wandeln – Eins nach dem anderen

Manchmal formulierte sie den Satz dann direkt nochmal neu. Wichtig war für Sonja, dass sie sich zwei Wochen lang nur auf Wörter mit „schlagen“ konzentrierte. Als nächstes richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf das „kriegen“. Während dieser Zeit verabschiedeten sich auch die anderen Gewaltwörter fast wie von alleine.

Was dann geschah

Vor Kurzem waren Sonjas Schwiegereltern übers Wochenende zu Besuch. Am ersten Abend sagte ihre Schwiegermutter: „Ich fühle mich diesmal so richtig wohl bei Euch. Es wurde ja auch mal Zeit, dass ihr ordentlich durchgreift und dieses ewige Geschreie von den Kindern ein Ende hat.“

Ja, Kommunikation hat eine durchgreifende Wirkung. Auch wenn Sonjas Schwiegermutter mit „durchgreifen“ sicher etwas anderes gemeint hat.

Natürlich streiten Sonjas Kinder noch immer. Sie tun es nicht mehr ganz so häufig und sie werden nur noch selten körperlich. Sonjas Hilfe brauchen sie bei der Lösungsfindung kaum noch.

Fazit

Wir haben es selbst in der Hand, wie viel Kraft uns die Streitigkeiten unserer Kinder kosten.

Diese drei Schritte bringen Dir und Deiner Familie mehr Ruhe und Frieden:

  1. Ändere Deine Einstellung zu Geschwisterstreits: Sie gehören dazu und haben ihren Sinn. (Lies mehr dazu in Teil 1.)
  2. Halte Dich raus oder begleite Deine Kinder bei der Lösungsfindung, statt Dich einzumischen und zu urteilen. (Wie das gelingt, erfährst Du in Teil 2.)
  3. Pflege einen friedlichen Wortschatz.
    Indem Sonja ihre Worte achtsam wählt, hat sie ihre Antennen auf ein friedliches Miteinander eingestellt. Es macht ihr Freude, angenehme, sanfte Worte zu finden und zu nutzen. Damit schafft die eine friedliche Grundstimmung in ihrer Familie. So werden Streitereien seltener und weniger heftig.Welche versteckten Gewaltworte gibt es in Deinem Sprachgebrauch?Gibst Du Anregungen oder Ratschläge? Teilst Du eine Idee oder machst Du einen Vorschlag?Arbeitest Du konzentriert oder kämpfst Du mit einer Aufgabe?Schaffst Du etwas oder kriegst Du es hin?Nutzt Du friedvolle Redewendungen?Mit Sprache beschreiben wir unser Bild von der Wirklichkeit und halten daran fest. Indem wir beim Sprechen unterschwellig Bilder der Gewalt mittransportieren, lenken wir den Fokus auf Gewalt.Gönnen wir uns eine friedvolle Sprache und ein friedvolles Leben.

Ich wünsche Dir eine friedliche Zeit mit Deiner Familie.

Deine Silvia

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