Das Wutmonster lieben – Teil 2: Wie Du mit der Wut Deiner Kinder klar kommst

Kennst Du das? Dein Kind ist wütend, Du spürst seine Hilflosigkeit, willst ihm helfen. Mit der Zeit wirst Du selbst wütend. Das Geschrei und Gebocke geht Dir auf die Nerven.
Wenn Du wissen willst, wie Du souveräner mit dem Wutmonster Deines Kindes umgehen kannst, dann ist dieser Artikel der richtige für Dich.

Erst Deins, dann das Deines Kindes

Im ersten Teil dieser Serie, habe ich Dich mit der Spezies dieser kleinen Wutmonster bekannt gemacht. Wie bei allen Lebewesen gibt es ganz viele verschiedene Persönlichkeiten unter den Wutmonstern. Und doch sind sie sich untereinander ähnlich. Deshalb wird es Dir viel für den Umgang mit den Wutmonstern Deiner Kinder helfen, wenn Du Dein eigenes genau kennst. Außerdem merken die kindlichen Wutmonster, dass Du eine Wutmonster-Freundin bist. Dann sind sie auch gleich zugänglicher. Lies also bitte erst Teil 1 und komme mit Deinem Wutmonster in Kontakt, bevor Du das Deiner Kinder zu zähmen versuchst.

Was das Besondere an den kindlichen Wutmonstern ist

Das Treiben unserer kleinen Wutmonster hat System: Wenn sie bemerken, dass wir eines unserer Bedürfnisse übergehen, dann übernehmen sie das Ruder. (Was nicht heißt, dass wir uns jeden Wunsch sofort erfüllen müssen. Es geht darum achtsam für Bedürfnisse zu sein.) Bei manchen ist das Wutmonster aktiver, bei manchen weniger. Manche Wutmonster haben gelernt, sich zurück zu halten und rumoren im Versteckten. Manche haben gelernt, sich anders auszudrücken als durch Türen schlagen und rumbrüllen. Doch das Prinzip ist bei allen Menschen gleich.

Kinder haben es doppelt schwer.

Bei Kindern kommt noch eine weitere Herausforderung dazu: Um unsere eigenen Bedürfnisse achten zu können, müssen wir uns selbst und unsere Bedürfnisse gut kennen. Kinder wachsen und verändern sich ständig. In manchen Phasen – zum Beispiel in der sogenannten Trotzphase und der Pubertät – lernen sie sich selbst nahezu täglich neu kennen. Wir Erwachsenen sind – zumindest was die Voraussetzungen in unserem Gehirn anbelangt – seit Jahren die Gleichen. Und es ist oft schwer für uns zu wissen, was wir wollen. Wie können wir da von einem Kleinkind mit seinem kleinen Wortschatz verlangen, zu sagen was es braucht, statt zu wüten? Wie können wir erwarten, dass ein Jugendlicher so besonnen ist, unsere Bedürfnisse und seine eigenen zu achten und Kompromisse zu finden?

Lasst uns nicht länger mit den Wutmonstern hadern, sondern lasst uns Verantwortung übernehmen. Es macht das ganze Familienleben leichter und angenehmer, wenn wir nicht nur auf unsere eigenen Wutmonster achten, sondern auch die unserer Kinder schätzen.

Hege und pflege die Wutmonsterfamilie

Vielleicht nervt Dich das Bild des Wutmonsters allmählich, weil ich es so oft wiederhole. Doch es zeigt einfach am besten, was ich für grundlegend im Umgang mit Wut halte:

Unseren Kindern beizubringen, nicht mehr zu wüten, ist wie einen Freund und Ratgeber mundtot zu machen. Das Wutmonster kann ungemütlich werden. Ja! Doch wenn Du es zu nehmen weißt, dann kannst Du wunderbar mit ihm leben – und Deine Kinder dabei unterstützen ihre Freundschaft mit dem Wutmonster zu erhalten. Du siehst also, ich werde auch für den Rest dieses Artikels bei dem Bild bleiben. 😉

Wutmonster übertreiben manchmal und können ganz schön anstrengend sein. Du kannst einiges dafür tun, damit Dein Kind besser auf die Auftritte des kleinen Wutmonsters vorbereitet ist.

Drei wichtige Rahmenbedingungen

1. Lebe einen achtsamen Umgang mit Deinem eigenen Wutmonster vor.

Wie ich schon geschrieben habe, ist das der erste und wichtigste Schritt. Kinder lernen durch Nachahmung. Oder hast Du Deinem Kind das Sprechen beigebracht? Auch den Umgang mit ihrem Wutmonster lernen sie am besten, wenn sie Tag für Tag erleben, wie Du das machst. Und das heißt NICHT, dass die Kinder erleben sollen, dass Du gar kein Wutmonster hast. Lass es ruhig auch mal raus! Denn nur so erleben Deine Kinder, wie Du es sanft und bestimmt wieder einfängst.

2. Achte auf die Bedürfnisse Deines Kindes und erfülle sie so gut es geht.

Wichtig: Ich meine damit nicht, dass Du Deinem Kind jeden Wunsch von den Augen ablesen und ihn sogleich erfüllen solltest. Ich meine damit, dass Du ihm grundlegende menschliche Bedürfnisse wie das nach Selbstwirksamkeit, nach Sicherheit, nach Anerkennung, nach körperlicher Nähe, nach Freiheit und noch viele mehr so oft und so intensiv wie möglich erfüllen solltest. Es ist unmöglich, ein Kind damit zu verwöhnen. Und das Wutmonster wird dadurch ruhiger.

3. Schaffe einen geschützten Rahmen für Dein Kind, in dem es den Umgang mit seinem Wutmonster lernen kann.

Das Wutmonster hat noch eine Eigenschaft, die ich bisher nicht erwähnt habe: Es zeigt sich am liebsten dann, wenn sich sein Mensch wohl und geborgen fühlt. Ein knackiger Wutanfall ist also auch eine Bestätigung für die Qualität Eurer Beziehung. Pflege diese Beziehung, indem Du Dein Kind mit samt seinem Wutmonster von ganzem Herzen annimmst. Wenn Du Deinem Kind vermittelst, dass Wut etwas Schlechtes ist, wird es mit der Zeit entweder seine Wut unterdrücken oder noch stärker rebellieren. Wenn Du zeigst: „Hey, es ist in Ordnung mal wütend zu sein. Ich liebe Dich auch wütend.“, dann wird Dein Kind lernen, sein Wutmonster zu händeln.

Fünf Tipps zum Umgang mit dem kindlichen Wutmonster

Wenn es dann soweit ist und das Wutmonster losschreit, mögen Dir die folgenden Anregungen dienen:

1. Denke auch an Dich und Deine Bedürfnisse.

Es ist recht wahrscheinlich, dass sich Dein Wutmonster animiert fühlt, auch heraus zu kommen und mit zu feiern. Deshalb ist es gerade in Situationen, in denen Dein Kind wütet besonders wichtig, auf Deine Bedürfnisse zu achten.

Was kannst Du tun, um Dir die Situation so angenehm wie möglich zu machen?

Eine Auseinandersetzung mit Deinem Teenie ist schon anstrengend genug. Schaffe Rahmenbedingungen in denen Du Dich zumindest körperlich wohl fühlst. Setz Dich, nimm Dir einen Keks. 😉

Der Trotzanfall Deines Kleinkindes fordert Dich schon genug. Achte darauf, dass Du dabei nicht auch noch mit einer viel zu warmen Jacke in einer überheizten Schwimmbadkabine stehst. 😉

Ich glaube Du weißt, was ich meine.

2. Biete NIEMALS Lösungen an!

„Schau mal, Du kannst doch morgen wieder Schaukeln.“

„Nimm doch die grünen Turnschuhe, die sind runter gesetzt. Dann brauchst Du die 20 EUR von mir gar nicht.“

Mal ehrlich: Wenn Du gerade richtig wütend bist, wie ist es dann für Dich, wenn Dir jemand eine Lösung aufschwatzen will? Oder Dir erzählt, dass es doch gar nicht so schlimm ist? Hat es bei Deinem Kind jemals gefruchtet? Nein? Dann spar Dir die Energie in Zukunft. 😉 Für Lösungen ist noch genug Zeit, wenn das Wutmonster wieder schläft.

3. Bleibe zugewandt.

Wenn Du nicht mehr anders kannst: Lass Dein Wutmonster ruhig mittoben. Doch lass es Dich nicht dazu bringen, Dein Kind zu beschimpfen. „RUHE! Ich brauche gerade meine Ruhe!“ ist etwas ganz anderes, als „Du nervst mich mit Deinem sinnlosen Rumgebrülle!“ – und zwar egal ob Du es ruhig und sanft aussprichst oder auch mal einen Schrei loslässt.

4. Wahre Distanz.

Wann immer es Dir möglich ist, betrachte die Situation von außen. Nimm in der Wut ausgesprochene Beleidigungen nicht persönlich (das Wutmonster ist schuld!) und leide nicht MIT Deinem Kind, sondern fühle Dich EIN.

5. Spiegle oder Schweig.

Wenn Du gerade einfühlsam sein kannst und meinst das Bedürfnis Deines Kindes zu erkennen, dann sprich es ruhig aus: „Du bist ganz schön wütend darüber, dass Dein T-Shirt in der Wäsche ist.  Du wolltest so gerne selbst entscheiden, was Du heute anziehst.“ Wenn Dir das nicht gelingt – etwa weil Dich Dein eigenes Wutmonster zu sehr ablenkt – dann sag besser gar nichts. Das ist am Anfang ungewohnt. Doch es spart Energie und ist meistens sogar wirkungsvoller. Probier es mal aus.

Fazit

Die kleinen Wutmonster sind vielleicht manchmal etwas anstrengend. Doch sie wollen nur unser Bestes und sind ganz goldige Kerlchen, wenn wir sie zu nehmen wissen.

Wenn Du besser mit dem Wutmonster Deines Kindes klar kommen willst, dann ist der erste und wichtigste Schritt, Dein eigenes Wutmonster kennen und lieben zu lernen. Das wirkt sich positiv auf die Stimmung der gesamten Wutmonsterfamilie aus. Wenn Du dann noch folgende Punkte beachtest, wird das Zusammenleben mit den kleinen Wutmonstern leichter:

  • Achte Deine Bedürfnisse und die Deines Kindes.
  • Schaffe einen geschützten Rahmen in dem sich das Wutmonster Deines Kindes austoben kann.
  • Beachte die fünf Tipps zum Umgang mit dem kindlichen Wutmonster.

Ich wünsche Dir viel Erfolg.

Mach es Dir leicht und lebe eigen-Sinnig!

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Übrigens: In die meisten meiner Artikel fließen Ideen aus der GFK und dem Lingva Eterna Sprach- und Kommunikationskonzept ein.

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