Drei Tipps mit denen Du jeden Konflikt in Deiner Familie zur Chance machen kannst

Geschwisterstreit, Ehekrisen, Krach zwischen Eltern und Kindern – kaum eine Familie lebt ohne Konflikte. In den meisten Familien gehören sie sogar zur Tagesordnung. Ich habe drei kleine Tipps für Dich, mit denen Konflikte weniger anstrengend und zielführender werden.

Konflikte als Chance?

Dieser Artikel ist mein Beitrag zur Blogparade von Christina Wenz. Christina ist Mediatorin und will mit ihrer Blogparade Menschen dazu ermutigen, Konflikte als Chance zu sehen. Ich bin mit Christina ganz einer Meinung, dass Konflikte gewinnbringend für alle Beteiligten sein können. Mit den drei Tipps aus diesem Artikel kannst Du diese Chance leichter ergreifen.

Was Konflikte so anstrengend macht

Konflikte sind oft verletzend, zermürbend und frustrierend. Die drei Hauptgründe dafür sind

  1. Unsere negative Meinung zu Konflikten
    Tipp 1 ist ein Trick, wie Du Deine Einstellung zu Konflikten wandeln kannst.
  2. Wut, die unterdrückt wird oder zu (psychischer oder physischer) Gewalt wird
    Tipp 2 ist eine Anleitung zum gewaltfreien wüten.
  3. Mangelnder Kontakt zwischen den Streitenden
    Tipp 3 beinhaltet vier Möglichkeiten, wie Du auch während eines Konfliktes Kontakt zu Deinem Gegenüber herstellen kannst.

Tipp 1: Sei achtsam, wie Du VON dem Konflikt sprichst

Wir nutzen das Wort Konflikt als Sammelbegriff für jegliche Art von Situationen in der zwei oder mehr Menschen verschiedener Meinung sind und dies auf die ein oder andere Weise ausdrücken. Ich vermute, die meisten Menschen haben eher unangenehme Assoziationen, wenn sie das Wort Konflikt hören. Konflikt kommt von lateinisch conflictus und bedeutet Zusammenstoß, Kampf. Auch andere übliche Bezeichnungen für Konflikte haben einen aggressiven Beigeschmack: Streit, Streiterei, Streitigkeit, Schlagabtausch, (Wort)gefecht, Kampf, Zusammenprall, Krach, Feindseligkeit.

Indem wir diese Wörter gebrauchen, richten wir unseren Blick auf das mitunter gewaltvolle Gegeneinander. Es gibt Bezeichnungen, die der Energie eines Konfliktes gerecht werden und gleichzeitig auf die ihm innewohnende Chance hinweisen. Ich mag zum Beispiel Auseinandersetzungen viel lieber als Konflikte. Bei einer Auseinandersetzung baue ich gemeinsam mit dem anderen die bestehenden Strukturen auseinander. Klar, das tut auch schon mal weh. Doch anschließend können wir neue Strukturen schaffen, die für alle Beteiligten besser funktionieren.

Sei achtsam, mit welchen Worten Du von einer Auseinandersetzung mit einem anderen Menschen sprichst.

Beispiele

Ich zeige Dir nun einige übliche Formulierungen und je eine Alternative dazu. Wenn Du die Wirkung erleben willst, gehe folgendermaßen vor:

  1. Lies erst den blau gedruckten Satz (halb)laut.
  2. Lass ihn einige Augenblicke auf Dich wirken.
  3. Lies ihn nochmal – wieder (halb)laut.
  4. Was kommt bei Dir an? Welche Bilder entstehen vor Deinem inneren Auge? Was spürst Du?
  5. Gehe mit dem grün gedruckten Satz ebenso vor.
  6. Lies erst dann meine Hinweise dazu.

„Ich bin immer noch mit meinen Eltern verstritten.“
„Ich konnte mich noch immer nicht mit meinen Eltern einigen.“

Hinweise: Der erste Satz richtet die Aufmerksamkeit auf den Ist-Zustand und zeigt keine Entwicklungsmöglichkeit auf. Der zweite Satz beschreibt, wie es bis jetzt war und zeigt die Möglichkeit einer Einigung auf.

„Wir liefern uns einen Schlagabtausch.“
„Wir sind unterschiedlicher Meinung.“

Hinweis: Mit dem ersten Satz werden Schläge ausgetauscht. Der zweite Satz ist eine sachliche Bemerkung.

„Die Kinder streiten ständig.“
„Die Kinder reiben sich aneinander.“

Hinweis: Der erste Satz lenkt den Blick auf den Streit. Der zweite Satz macht den Nutzen von Geschwisterstreitigkeiten deutlich. Die Kinder erleben sich durch die Reibung intensiver und können viel lernen.

„Mein Mann und ich haben oft Krach.“
„Es gibt oft Unstimmigkeiten zwischen mir und meinem Mann.“

Hinweis: Krach ist laut und anstrengend. Eine Unstimmigkeit zeigt die Möglichkeit auf, sich wieder aufeinander einzustimmen.

„Heute Morgen war es ein regelrechter Kampf mit den Kindern. Ich musste laut werden.“
„Heute Morgen hatte ich eine großer Auseinandersetzung mit den Kindern. Ich habe ein ganz schönes Donnerwetter losgelassen.“

Hinweis: Ein Kampf ist ein gewaltvolles Gegeneinander. Mit dem Satz „Ich musste laut werden.“ begeben wir uns in die Opferhaltung. Eine Auseinandersetzung löst bestehende, vielleicht festgefahrene Strukturen auf. Ein Donnerwetter klärt und löst Spannungen auf.

Tipp 2: Gewaltfrei Dampf ablassen

Wut ist ein häufiger Begleiter bei Auseinandersetzungen. Es ist wichtig, die Wut weder zu unterdrücken noch sie die Führung übernehmen zu lassen. Dafür kann ein reinigendes Donnerwetter eine wohltuende Strategie sein. Ein Donnerwetter ist laut und heftig – und doch kommt es ohne Gewalt aus. Woher kommt die Spannung, die zu einem Donnerwetter führt?

Hungrige Bedürfnisse

Bei jeder Meinungsverschiedenheit kommen einige unserer wichtigsten Bedürfnisse zu kurz: Zum Beispiel das Bedürfnis nach Nähe, nach Harmonie, nach Ruhe und nach Anerkennung. Dies löst fast immer heftige Emotionen wie Ärger, Trauer oder Angst aus. Wir fühlen uns ein Stück weit hilflos und das macht uns wütend. Wenn wir die Wut ignorieren, schaden wir uns selbst. Wenn wir uns von unserer Wut steuern lassen, werden wir dem anderen gegenüber schnell verletzend. Wir tun ihm verbal (oder manchmal vielleicht sogar körperlich) Gewalt an.

Sieg ohne Gewinn

Wenn unsere Wut beeindruckend genug ist, gehen wir vielleicht als Sieger aus dem Streit hervor. Und doch haben wir nicht wirklich etwas gewonnen. Unser Bedürfnis nach Nähe, Harmonie und Anerkennung können wir uns so nicht erfüllen. Genauso ist es, wenn wir die Wut herunterschlucken. Nur geht es dann ruhiger zu.

Die Wut darf raus und dann Stop

Und jetzt kommt die gute Nachricht: Wüten geht auch ohne verletzend zu werden. Hier eine kleine Auswahl an Sätzen, die Du stampfend, tobend und schreiend verwenden kannst, ohne Schaden anzurichten:

„Verdammt nochmal! Mir reicht’s jetzt!“

„Ich höre mir das nicht länger an!“

„Stop! Das führt jetzt zu nichts.“

(Sätze in einer Auseinandersetzung, die mit „Du…“ beginnen, sind fast immer Anschuldigungen und damit kontraproduktiv. Vermeide diese auch in der Wut.)

Und dann gönne Dir eine Pause. „Ich will erst runterfahren, bevor wir weiter reden.“ Öffne das Fenster und atme tief durch. Verlasse für einige Minuten den Raum. Trink etwas. Führt Euer Gespräch draußen, bei einem Spaziergang weiter.

Tipp 3: Eine Brücke bauen

Wenn es Dir gelungen ist, Dein Wutmonster zu besänftigen, dann macht es noch immer keinen Sinn, einfach weiter Deinen Standpunkt zu vertreten. Denn Dein Gegenüber wird Dir nur dann folgen können, wenn Ihr in Kontakt seid.

Baue eine Brücke zwischen Deiner Welt und der Deines Gegenübers. Ich verrate Dir, wie ich es mache:

Nimm den anderen wahr.

Oft ist es ein geliebter Mensch, mit dem wir streiten oder gar einen festgefahrenen Konflikt haben. Lass diesen Konflikt für einen Moment los. Atme ruhig und gleichmäßig und schau genau hin. Vielleicht gelingt es Dir sogar einen tiefen Blick in die Augen zu ergattern.

Stelle Fragen.

Signalisiere Deine Bereitschaft Dich in die Lage des anderen zu versetzen. Frag genau nach, um was es dem anderen geht. Folgende Fragen können Schlüssel zum Herzen des anderen sein:

„Was brauchst Du von mir?“
„Was ärgert Dich gerade so?“
„Glaubst Du, wir können eine gemeinsame Lösung finden? Wie könnte eine Lösung für Dich aussehen?“
„Habe ich Dich richtig verstanden, dass…“
„Wünschst Du Dir….?“

Berichte von Dir.

Wenn Du gehört hast, was Dir Dein Gegenüber zu sagen hat, dann öffne Du Dich. Frage nach der Bereitschaft Deines Gegenübers, Dich zu hören. „Willst Du meine Sicht der Dinge wissen?“

Dann berichte von Dir. Sag, was Du brauchst, willst, Dir wünschst.

Achtung: Bleib bei Dir! Auch versteckte Schuldzuweisungen lassen die Brücke ganz schnell einstürzen.

Nimm es mit Humor.

Manchmal steigern sich zwei Menschen in einen Konflikt so hinein, dass es von außen betrachtet schon wieder lustig ist. Dieser humorvolle Blick von außen, kann zwei Streithähne wieder in Kontakt bringen. „Wir führen uns hier auf, wie zwei Gorillas. Lass uns eine Runde Trommeln.“

Achtung: Sei achtsam mit spaßigen Bemerkungen. Nutze sie nur, wenn Du Dir sicher bist, dass der andere damit klar kommt.

Bahn frei für eine Lösung – Fazit

Jetzt, wo ihr wieder in wohlwollendem Kontakt seid, liegt eine befriedigende Lösung schon ganz nahe. Und genau das ist die große Chance in jeder Auseinandersetzung. Ihr erschafft gemeinsam etwas Neues und seid Euch nachher sogar noch näher als vorher.

Also, ergreife Deine Chance bei der nächsten kleinen oder großen Auseinandersetzung und probiere meine drei Tipps aus:

  1. Sprich mit zielführenden Worten von Deinem Konflikt.
  2. Lass Dampf ab ohne jemanden zu verletzen.
  3. Baue eine Brücke zwischen Dir und Deinem Gegenüber.

Ich wünsche Dir viel Kraft und Einfühlsamkeit für Deinen nächsten Konflikt.

Mach es Dir leicht!

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Übrigens: In die meisten meiner Artikel fließen Ideen aus der GFK und dem Lingva Eterna Sprach- und Kommunikationskonzept ein.

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