Nachgeben oder doch lieber konsequent bleiben?

Eine Lösung in sechs Schritten

“Jetzt sei doch nicht so streng! Wenn es ihm doch so wichtig ist…”

“Du musst auch mal konsequent bleiben. Wie soll sie das sonst lernen?”

Ähnliche Sätze hast Du als Mutter wahrscheinlich auch schon mal gehört. Vielleicht hat Dein Mann Dir gesagt Du seist zu nachgiebig und Deine Mutter, Du seist zu streng?

Kein Wunder, dass wir Mütter uns regelmäßig fragen, was denn nun stimmt. Ist es besser für mein Kind, wenn ich nachgebe oder braucht es in bestimmten Situationen eine konsequente Führung?

Was Katja erlebte

Auch Katja, Mutter einer fünfjährigen Tochter, bewegt diese Frage immer wieder. Sie berichtete mir von folgender Situation:

Als sie gerade dabei war das Mittagessen zu kochen, kam ihre Tochter Emma in die Küche und verlangte Schokomüsli. Katja antwortete mit einem Seitenblick auf Emma “Nein, in fünf Minuten ist das Essen fertig!”.

Nach wenigen Minuten fragte Emma wieder nach Müsli und Milch. Jetzt hatte sie bereits eine Schale in der Hand. Katja verneinte wieder, und Emma begann bitterlich zu weinen: Sie wolle ja zu Mittag essen. Sie habe sich für Müsli entschieden.

Katja versuchte Emma von dem leckeren Kartoffelbrei – eine der Lieblingsspeisen von Emma – zu überzeugen. Ohne Erfolg. Emma steigerte sich in einen regelrechten Wutanfall hinein. Schließlich gab Katja nach.

So oder so: „Ich fühle mich schrecklich!“

Und damit fühlte sie sich schrecklich. Sie quälte sich mit Gedanken wie: “Sie wird mir noch eines Tages auf der Nase herumtanzen. Wie soll sie verstehen, dass es Mittags eine gemeinsame Mahlzeit gibt, wenn ich solche Ausnahmen mache? Jetzt hat sie ihren Willen mit ihrem Geschrei doch wieder durchgesetzt.”

Das Schlimmste an dieser Situation war für Katja folgendes: Sie war sich sicher, dass auch Konsequenz in dieser Situation für sie nicht stimmig gewesen wäre. “Emma hätte mir dann so leid getan. Sie war so stolz auf ihre eigenständige Entscheidung. Ich wäre mir schrecklich vorgekommen, wenn ich ihr die Müslischale mit Gewalt abgenommen hätte.”

Solche Situationen gibt es in unserem Alltag als Mutter unzählige. Ich habe eine Lösung für diesen Konflikt zwischen „nachgeben“ und „konsequent bleiben“ gefunden. Damit ist mein eigenes Leben und auch das von Katja viel leichter geworden. Ich will Euch an meinen Gedanken dazu und an Katjas Erlebnissen teilhaben lassen:

Was die Worte sagen

Ich habe mich diesem Thema genähert, indem ich die Worte “nachgiebig” und “konsequent” angesehen habe.

“Nachgiebig” bedeutet nach dem Duden Herkunftswörterbuch “weich, locker, gerne bereit sich anzupassen”. Es ist eine Bildung von “geben”, was “darreichen, schenken” bedeutet.

“Konsequent” bedeutet “bestimmt, beharrlich, zielbewusst”.

Die Bedeutung der Worte an sich, sagt uns also nichts über gut oder schlecht. Es sind einfach zwei Eigenschaftsworte wie hell und dunkel. Klar ist auch, dass zwischen diesen beiden Eigenschaften ein gewisses Spannungsverhältnis entsteht. Um das zu verdeutlichen habe ich das Wertequadrat nach Paul Helwig genutzt:

Das Spannungsverhältnis

konsequent

Daran wird deutlich, dass die Gegensätzlichkeit von “nachgiebig” und “konsequent” erst zum Problem wird, wenn wir es übertreiben. Wir machen es uns leichter, wenn wir das natürliche – und gesunde – Spannungsverhältnis zwischen „konsequent“ und „nachgiebig“ annehmen. Es sind zwei Qualitäten im Leben, die dazu gehören.

Sechs Schritte für Deinen Alltag

Jetzt fragst Du Dich vielleicht, was Dir diese Erkenntnis für Deinen Alltag bringt. Die folgenden sechs Schritte gebe ich Dir als Anregung für Deine nächste „nachgeben-oder-konsequent-bleiben?“-Situation:

  1. Nimm die Situation bewusst wahr.
    Sei nicht “aus Prinzip” oder Gewohnheit konsequent. Sei nicht aus Faulheit oder schlechtem Gewissen nachgiebig.

    Am Beispiel von Katja, Emma und dem Schokomüsli könnte das so aussehen:
    Katja: “Emma, einen Moment bitte. Ich stampfe erst die Kartoffeln zu Ende. Dann bin ich für Dich da.” Nachdem Katja ihren Arbeitsschritt beendet hat, wendet sie sich ganz ihrer Tochter zu. Sie erkennt den Konflikt zwischen dem fertigen Mittagessen und Emmas Wunsch.

  2. Teile Deine Wahrnehmung von der Situation mit Deinem Kind.

    Katja: “Du willst gerne Schokomüsli essen.” Emma nickt eifrig. Katja spricht nach einer kurzen Pause weiter: “Ich habe Kartoffelbrei und Fischstäbchen gekocht, weil Du das so gerne isst. Ich will gerne mit Dir zusammen Essen.”

    An dieser Stelle ist es entscheidend, dass Du die Situation nur beschreibst ohne sie zu bewerten!

  3. Erkenne die Bedürfnisse Deines Kindes an.

    Emma wird weiter auf ihr Schokomüsli bestehen. Katja hat mittlerweile bewusst wahrgenommen, dass es Emma nicht nur ums Müsli geht. Sie will selbst entscheiden, wann und was sie Essen möchte.
    “Du hast beschlossen, dass Du Schokomüsli zu Mittag essen wirst.” Damit erkennt Katja das Autonomiebedürfnis ihrer Tochter an. Emma strahlt.

  4. Wäge die Bedürfnisse Deines Kindes und Deine eigenen ab.

    Jetzt sieht Katja ganz klar ihren eigenen Wunsch nach einem gesunden, gemeinsamen Mittagessen auf der einen Seite und Emmas Bedürfnis nach Selbstbestimmung auf der anderen. Sie hat nun die Möglichkeit zu erkennen, was jetzt im Moment wichtiger ist.

    Variante 1: Katja merkt, dass sie das Mittagessen gekocht hat, weil SIE der Meinung ist, dass das so gehört. Sie sieht, wie wichtig es Emma ist, selbst zu entscheiden. Sie ist sich sicher, dass sie ihren Wunsch leichter aufgeben kann, als Emma.


    Variante 2: Katja weiß aus Erfahrung, dass Emma auf Zucker unausgeglichen und hibbelig wird. Sie hat für den Nachmittag einen Besuch mit einer längeren Autofahrt geplant und mag die Folgen des Schoko-Müsli-Mittagessens nicht tragen.

  5. Sage Deinem Kind, wie Du die Situation gestalten willst.

    Variante 1: “Ich habe Kartoffelbrei und Fischstäbchen gekocht. Ich esse lieber das. Setzt Du Dich mit Deinem Müsli zu mir?”

    Variante 2: “Das ist eine super Idee für unseren Nachtisch. Lass uns erst gemeinsam Kartoffelbrei essen und danach Müsli.”

  6. Trage die Folgen oder entscheide neu.

    Variante 1: Es kommt gar nicht zu einem Machtkampf, bei dem Katja nachgeben oder konsequent bleiben müsste. Katja spielt nach dem Essen eine Runde Fangen mit Emma, bevor sie ins Auto steigen.

    Variante 2: Wenn Emma nun dennoch weint, tröstet Katja sie und steht ihr in ihrem Frust bei. (Es kann gut sein, dass Emma nicht weint, weil Katja sie ernst genommen hat. Schon alleine das wirkt oft Wunder.)

    Auch an dieser Stelle kann Katja noch nachgeben und dabei ihre Glaubwürdigkeit wahren:

    Variante 3: “Ich sehe wie wichtig es Dir ist, das Müsli jetzt zu essen. Lass uns alles auf den Tisch stellen. Ich esse den Kartoffelbrei und Du Müsli. Vielleicht magst Du den Kartoffelbrei zum Nachtisch.”

Wie auch immer sie sich entscheidet: Katja hat nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und ist für ihre Tochter da. Damit fühlen sich beide wohl.

 Fazit

Nachgiebigkeit und Konsequenz sind zwei wunderbare Werte. Du kannst von beiden profitieren, wenn Du sie mitsamt ihres natürlichen Spannungsverhältnisses annimmst und nutzt. Das gelingt im Umgang mit Deinem Kind, wenn Du folgendes beachtest:

  • Nimm die Situation bewusst wahr.
  • Teile Deine Wahrnehmung mit Deinem Kind ohne die Situation zu bewerten.
  • Erkenne die Bedürfnisse Deines Kindes und sprich sie an.
  • Erkenne Deine eigenen Bedürfnisse und wäge sie mit denen Deines Kindes ab.
  • Wähle was Du tun wirst und sage es Deinem Kind.
  • Trage die Folgen Deines Handelns und erlaube Dir auch, eine neue Wahl zu treffen.

Gönne Dir, die Fesseln aus Gewohnheit und vorgefertigten Meinungen zu lösen. Dann wird es Dir gelingen, authentisch und gelassen zu bleiben. Zugleich stärkst Du eine gleichwürdige Beziehung zwischen Dir und Deinem Kind. So fühlen sich alle wohler, und Euer Familienleben wird leichter und fröhlicher.

Der Kampf „nachgeben vs konsequent bleiben“ ist gar keiner. Es ist ein kraftvolles Miteinander. In jeder Situation darfst Du neu wählen, was Dir und Deinem Kind JETZT gerade besser dient.

Mach’s Dir leicht und lebe eigen-Sinnig!

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